74 posts categorized "Radsport & Mountainbike"

09.03.10

Radsport spricht jetzt Englisch

Bradley Wiggins und Team Sky – eine himmlische Fügung 

London, 10. März (isk): Als „Coming home“ empfindet der Radsportler Bradley Wiggins seinen Wechsel in den britischen Rennstall Team Sky. Ursprünglich wollten die Briten erst „bis in fünf Jahren“ einen Tour-Sieger aus ihren Reihen stellen. Mit Wiggings könnte sich der Plan schneller realisieren lassen. Sportkorrespondent Klaus Dobbratz über den britischen Hoffnungsträger. 

Wiggings-Bild Gesponsert vom Fernsehsender BSkyB, der sich das Projekt – vorgesehen bis Ende des Jahres 2013 – immerhin 33 Millionen Pfund kosten lässt, katapultierte sich die neue Rad-Formation mit an die Spitze des internationalen Pelotons: Platz 3 beim Zeitfahren der Murcia-Rundfahrt und in der Gesamtwertung für Wiggins (30). Und die gesamte Branche starrt auf die britische Cycling-Schule, Experten aus den traditionellen Radsportnationen Belgien, Frankreich oder Italien versuchen das System zu erforschen. Der Velo-Globus scheint sich zu verschieben. Wiggins genießt auf der Insel fast Schumacher-Status. In Athen und Peking gewann er drei olympische Goldmedaillen in Einzel- und Mannschaftsverfolgung, sechs WM-Titel auf der Bahn vervollständigen seine Sammlung. Als Wiggins die letzte Frankreich-Rundfahrt als Vierter beendete, verschlug es den Fachleuten die Sprache, weil niemand den Bahnfahrer auf dem Zettel hatte. 

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25.09.09

E-mail nach Namibia

Erik Hoffmanns Auftritt bei der Rad-WM in der Schweiz 

Der namibische Radsportler Erik Hoffmann nahm an der Zeitfahr-WM in der Schweiz teil, wo der Einheimische Cancellara einen überlegenen Sieg feierte. Hoffmann selbst kam am Ende auf den 43. Platz – keine schlechte Leistung angesichts der eher ungünstigen Voraussetzungen. Ein Porträt

Mendrisio, 25. September (isk-Korrespondent Klaus Dobbratz): 

„Dreizehntbeste Zeit“ informiert der WM-Sprecher, als Erik Hoffmann die Ziellinie des Zeitfahrens passiert. Nicht schlecht, obgleich sich die Besten erst warm fahren. „Das war meine dritte Rad-Weltmeisterschaft, ich hatte aufgrund meiner Diplomarbeit kaum Zeit zum Training“, berichtet der 28-jährige Exot, der nicht nur die Nationalfarben Namibias, sondern mit seinem südafrikanischen Kollegen den gesamten Schwarzen Kontinent repräsentierte. „Ich hoffe, das ging in Ordnung so“, meint er in perfektem Deutsch. Seine Urgroßeltern waren einst nach „Südwest“ ausgewandert, der junge Erik wuchs mit Afrikaans und Englisch auf, im 19. Lebensjahr zog es ihn nach Stuttgart.

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23.09.09

Spätlese in der Südschweiz

Die Rad-WM hat viel von ihrer Bedeutung eingebüßt 

Das Mendrisiotto ganz im Süden der Schweiz, wird für seinen guten Wein gerühmt. Und leckerer Ziegenkäse ist eine Spezialität der von der Sonne verwöhnten Region. Radfahrer sieht man fast so häufig wie Wein-Liebhaber. Auch im milden Spät-September, für den Radsport- Weltverband UCI auch ein Grund, die Straßen-WM, die jetzt gerade begonnen hat, ins Tessin zu vergeben. Anlass für einen Rückblick auf die vergangenen Jahre. 

Mendrisio, 23. September (Klaus Dobbratz):
Das Saisonfinale furioso einer Sportart, die das Thema Doping nicht abstreifen kann. Also nur wieder ein Ende mit Schrecken, nach dem sich die rollenden Protagonisten lieber auf ein (besseres) nächstes Jahr freuen? Ein Blick auf die letzten Titelkämpfe skizziert den Wandel der Radsport-Weltmeisterschaften. In Madrid im Jahr 2005 störte sich niemand in der spanischen Hauptstadt am Herbst-Termin. Die Sonne schien warm, aber bei Start und Ziel vor dem Bernabéu-Stadion versammelten sich nur wenig Zuschauer, der relativ flache Kurs auf breiten Avenidas raubte den Kletterern den Nerv. Der Belgier Tom Boonen, damals „König von Flandern“ genannt, gewann den Schlusssprint, von seinen Drogen-Missbräuchen wusste damals niemand etwas. Das Thema Doping spielte in der Heimat von Senor Fuentes keine Rolle. 

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26.07.09

Millionen am Straßenrand

Unglaublicher Zuschauerandrang bei Frankreich-Rundfahrt

Die Tour de France ist entschieden. Der Spanier Alberto Contador wurde vor dem Luxemburger Andy Schleck und dem US-Amerikaner Lance Armstrong Gesamtsieger; bis zum Schluss gab es keinen aufgedeckten Dopingfall, obwohl manche Darbietung Anlass zur Spekulation gab, was aber das Publikum ja ohnehin kaum zu interessieren scheint, denn immerhin gab es noch nie bei einer Frankreich-Rundfahrt einen solchen Auftrieb von faszinierten Menschen, die nach Millionen zählen dürften.

 

Francois Nancy: (Paris, 26. Juli). - Die Begeisterung war aber nicht nur in Frankreich riesengroß. Auch in Spanien, wo die Tour in Barcelona Station machte, in der Schweiz und Italien, säumte in jedem Ort und jeder Stadt ein dichtes Spalier von Zuschauern die Straßenränder. Nach einem geradezu phänomenalen Empfang von mehreren Millionen katalanischen Fans an den Straßen in Spanien folgte  bald ein überaus herzliches Bienvenue der Eidgenossen in der Schweiz. Von den allerersten Metern auf helvetischem Terrain im Jura-Flecken Auberson flankierten Fahnen mit dem Schweizer Kreuz das Peloton. Begeisterung total im Kanton Vaud, Menschenmassen am Col de Mosses und beim Schlussaufstieg in Verbier. Begeisterung auch in Italien, wo die Rundfahrt eine kurze Passage hatte; Höhepunkt dann am vorletzten Tag der Aufstieg zum Mont Ventoux, dem magischen Berg in der Provence, wo der Andrang so groß war, dass Anlaß zu der Befürchtung bestand, die Pedaleure könnten den Weg zum Ziel nicht mehr finden. Eine irrwitzige Situation: der verteufelte und von Doping gebeutelte Radsport als Magnet des Volkes.

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23.07.09

Punktgewinn auf norwegisch

Coup von Hushovd auf der „Königsetappe" der Tour

Bei der Tour de France wurden schon viele interessanten Geschichten geschrieben – seien es die von  den „heldenhaften"  Siegern, seien es die von den tragischen Helden oder all jene von den gedopten Hauptdarstellern. Auf völlig andere Weise rückte am Mittwoch  der Norweger Thor Husvod in den Blickpunkt, auch wenn das Vorpreschen der Schleck-Brüder auf Platz 2 und 3 der Gesamtwertung hinter dem spanischen Matadore Condator am Ende die größeren Schlagzeilen machte.

Marc Perrin: (Le Grand-Bornand, 23. Juli). - Hushovd, ein ausgemachter Sprinter, machte sich  frühzeitig auf die Socken, um nach Bewältigung von zwei Bergen die folgenden Sprintwertungen zu gewinnen und sein Grünes Trikot zu festigen. Seine  sehenswerte Alleinfahrt brachte ihm nicht nur das Jury-Lob als kämpferischster Fahrer ein, sondern  bescherte ihm 12 wichtige Punkte.  Das Duell um Grün zwischen dem viermaligen Tagessieger Mark Cavendish und Hushovd scheint damit schon passé. Hushovd hat jetzt 230 Punkte auf dem Konto, Mark Cavendish 30 weniger. Die Alpen haben dem schnellsten Mann im Feld aber offensichtlich den Zahn gezogen. Kein Wunder eigentlich, denn die massive Oberschenkelmuskulatur von Cavendish taugt nicht für 25 Kilometer lange Steigungen. Der Brite dürfte zwar diesmal Paris erreichen, aber das Punktepolster seines Rivalen erscheint unantastbar, auch wenn auf der Freitagsetappe und beim Finale in Paris noch eine Korrektur möglich ist. Doch daran glaubt kaum jemand.

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21.07.09

Satteltramp im Autobus

Tour-Debütant Geschke zufrieden und ohne Zeit-Probleme 

Am Montag, dem Ruhetag der Tour de France, drehte sich in den Medien alles um Alberto Contador, dem Ersten der Gesamtwertung und seinem Kontrahenten Lance Armstrong sowie den anderen Protagonisten der Rundfahrt, niemand redete von Simon Geschke, der vor der 16. Etappe ziemlich weit abgeschlagen und fast unbeachtet auf dem 136. Platz liegt. Doch er rangiert immerhin noch vor seinen Landsleuten Bert Grabsch, Gerald Ciolek und Andreas Klier sowie dem viermaligen Etappensieger Mark Cavendish.


Klaus Dobbratz: (Martigny, 21. Juli). -  Doch sogar die große Equipe, offizielles Organ der Tour de France, bemühte sich bereits um den 23-jährigen Berliner Novizen. Neun Zeilen für Simon Geschke, der im niederländischen Team Skil-Shimano die große Velo-Luft bei den Satteltramps schnuppert. „Die erste Woche war der Hammer, alles neu, einfach gigantisch. Aber nach der zweiten gewöhne ich mich an den Ablauf, das Interesse, den immensen Umfang des Rennens.“ Der klein gewachsene Pedaleur, Sohn des früheren Doppelweltmeisters im Tandem, Jürgen Geschke, wirkt keine Spur wie ein verunsicherter Debütant, dem das Parkett als zu glatt und die Geschwindigkeit zu hoch vorkommt. „Natürlich ist Paris mein Ziel. Und ich bin  ziemlich optimistisch.“ Denn: „Ich hatte bisher keinerlei Probleme mit der Zeitüberschreitung. Da ordne ich mich dann lieber im Autobus (Radfahrersprache für die Koalition der Abgehängten) ein, anstatt für einen 80. Platz unnötig Körner zu verbrauchen." 

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16.07.09

Gegen das Establishment

Besitzen die Brüder Schleck ein Anti-Astana-Rezept?

Dass Andy und Fränk Schleck aus Luxemburg  bei der Tour de France die Astana-Bastion aus den Sätteln heben könnten, wäre eine pikante Vorstellung. Und wenn ausgerechnet das „kleine“ Luxemburg gegen die große Phalanx aus Kasachstan, Spanien und Amerika antritt, dann ist das eine Geschichte für die Annalen der Rundfahrt. Die Brüder treffen auf das Establishment und es finden sich im Tross  manche Experten, die stellen den Jüngeren, Andy, auf eine Stufe mit Favorit Contador. Zumindest was die Qualitäten in den Bergen betrifft.

Marc Perrin: (Colmar, 16. Juli).- Wenn der Tross am Freitag durch die Vogesen rollt, dürfte die größte Anzahl an Fans aus dem Großherzogtum ihre Fahnen schwenken, und am Abend vor dem Showdown die Straßen von Col de Schlucht, Platzerwasel oder Firstplan mit den Namen ihrer Helden bepinseln. „Vor 73 Jahren“, berichtet Reporter-Legende Petz Lahure, „platzierten sich mit Pierre und Mathias Clemens schon einmal luxemburgische Brüder unter den Top Ten.“ Aber diesmal wollen die Co-Kapitäne der dänischen Formation Saxo-Bank mehr – und die heimische Presse des Tageblatt und des Luxemburger Wort erhöht täglich die Frequenz ihrer Berichte.

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14.07.09

Gute Menschen, böse Buben

Die Tour de France und das deutsche Fernsehen

Der Spartensender Eurosport kann sich durchaus vergnüglich die Hände reiben. Seine täglichen und recht umfangreichen Berichte von den Etappen der Tour de France haben die Quoten deutlich erhöht. Es wird von einer Verdopplung der Zuschauer gesprochen (in Laufe der vergangenen Woche 500 000, an den Wochenenden gut 700 000). 

Erich Stör: (Frankfurt am Main, 14. Juli). - Zwar liegen die Quoten von ARD und ZDF mit einem Schnitt zwischen 800 000 und einer Million Zuseher noch über denen von Eurosport, aber das dürfte eher der Gewohnheit der meisten Rad-Interessenten beim Einschalten  geschuldet sein. Das Eurosport-Wachstum ist jedoch zweifellos eine Konsequenz aus der Tatsache, dass sich ARD und ZDF – jahrelang als unkritische Propagandasender für die Tour de France und hauptsächlich deren deutsche Protagonisten tätig  – nach der für viele offenbar völlig überraschenden Erkenntnis des Jahres 2007, dass im Radsport der Profis gedopt wird, jetzt mit einstündigen Berichten begnügen. Die Heuchler dort haben seit einiger Zeit ihr tiefes moralisches Gewissen und ihre Verantwortung für die Jugend entdeckt. Dem eigentlich mündigen TV-Konsumenten glauben die Macher, eine umfangreichere Berichterstattung über jene Sportart, in der seit 100 Jahren kräftig manipuliert worden ist, plötzlich nicht mehr zumuten  zu können.

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10.07.09

Karten endlich aufgedeckt

Das Duell Contador-Armstrong als großes Kino?

Brice Feillu hat die längste Etappe der Tour de France von Barcelona nach Arcalis  in Andorra gewonnen. Der französische Tour-Neuling setzte sich kurz vor dem Ziel von einer bis dahin gut zusammen arbeitenden achtköpfigen Ausreißergruppe ab. Der Italiener Rinaldo Nocentini, Vierter hinter dem Deutschen Johannes Fröhlinger, übernahm das Gelbe Trikot, da der Schweizer Fabian Cancellara beim letzten Anstieg wertvolle Zeit verlor. Die Favoriten auf den Gesamtsieg deckten erst auf den letzten zwei Kilometern  ihre Karten auf: der Spanier Alberto Contador ließ mit einem schnellen Antritt seine Widersacher stehen und verpasste das Gelbe Trikot nur um sechs Sekunden.

 

Marc Perrin: (Andorra-Arcalis, 10. Juli). - „Die Franzosen beginnen Lance Armstrong sogar zu mögen – jedenfalls solange er keine Anstalten macht, die Tour de France  zu gewinnen“, beschrieb die Neue Zürcher Zeitung dieser Tage das Auftreten des Amerikaners bei seinem Comeback, das fast wieder in eine gelbe Manie ausgeartet wäre. Andere sprachen bisher von einem „Krieg“ zwischen dem 37-Jährigen und seinem um elf Jahre jüngeren Teamkollegen Alberto Contador, der auf  der 3. Etappe auf einer Windkanten-Fahrt wertvolle Zeit auf Armstrong verloren hatte. Doch am Freitag wurde das Bild korrigiert. Contador, der kurz vor der Bergankunft angriff, kam zwar nur als Neunter ins Ziel, weil einer Gruppe vor dem Hauptfeld gelegen hatte, aber Lance Armstrong wurde von ihm dann doch um 21 Sekunden distanziert, so dass er jetzt als Zweiter mit zwei Sekunden Vorsprung vor dem US-Amerikaner liegt.

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06.07.09

Armstrong lacht sich ins Fäustchen

Der böse Wind der Carmague spaltet das Tour-Feld

Lance Armstrong schiebt sich bei der Tour de France bereits jetzt mehr   und mehr in den Vordergrund. Nachdem er am Montag in einer Spitzengruppe mitfuhr, die sich aufgrund der  sehr berüchtigten Winde der Carmague wenige Kilometer vor dem Ziel vom Feld abspaltete und mit 41 Sekunden Vorsprung ins Ziel kam, liegt er auf Platz 3 der Gesamtwertung (40 Sekunden  Rückstand). Das Zeitfahren der Teams am Dienstag wird nun mit höchstem Interesse verfolgt, gilt doch sein Teamkollege Alberto Contador als der eigentliche Kapitän des Astana-Teams (Foto: © Francois Nancy).

Marc Perrin & Robert Roets: 

La Grande-Motte, 6. Juli (isk/sps). - Lance ist also zurück auf den Straßen der Tour de France.  Die Medien auf den britischen Inseln betrachten den Armstrong-Auftritt aus zwei Sichtwinkeln. Entweder: „Das ist die größte Sport-Story dieses Sommers“, oder: „Der Sport wäre ohne ihn besser.“ Im deutschen Blätterwald schlägt ihm Ablehnung entgegen: „Das fragwürdige Comeback“, titelte die Frankfurter Allgemeine kürzlich. Und als das Team Astana am Montag für weitere Brisanz sorgte, wurden die Schlagzeilen noch griffiger. Denn obwohl der nominelle Kapitän Alberto Condator nicht in der ersten Gruppe mitfuhr, beteiligten sich Haimar Zubeldia und Yaroslav Popowitsch auf Anweisung von Armstrong an der Führunsgarbeit der Spitzengruppe. Der US-Amerikaner wiegelte später ab und sagteden Journalisten: „Dass ich mich mit der Spitzengruppe abgesetzt habe, war kein Hinterhalt gegen Alberto Contador." In der Süddeutsche.de hieß es dazu: „Revolte gegen den eigenen Kapitän", Welt-online titelte: „Armstrong glückt der große Coup" und die Online-Ausgabe der Rheinischen Post erkannte: „Armstrong rollte über den Zielstrich und lachte sich ins Fäustchen!"

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