Weg durch die Hölle
Einige Zeitungskommentare zum Tod von Robert Enke
Der tragische Freitod des Fußballtorhüters Robert Enke hat überall tiefe Betroffenheit ausgelöst, der Deutsche Fußball-Bund hat das geplante Länderspiel gegen Chile abgesagt – noch besser wäre es gewesen, auch das Match gegen die Elfenbeinküste am kommenden Mittwoch zu stornieren –, und in den Zeitungen gibt es ein vielfältiges Echo, das sich besonders um den Umgang mit der Krankheit Depression in diesem Land befasst.. Es ist gewiss richtig, wenn die Berliner Morgenpost in diesem Zusammenahng von einem Weg durch die Hölle spricht.
Frankfurt am Main, 12. November (Sportsignale):
Zahlreiche Zeitungen setzten sich in diesen Tagen mit dem Tod des Fußballspielers auseinander. So schreibt zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger: „Robert Enke wollte keine Schwäche zeigen. Depression aber ist in den Augen der Allgemeinheit Schwäche. Tausendmal können die Experten erklären, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt, die der Behandlung bedarf. Es nützt nichts. Und das macht den Fall Robert Enke exemplarisch für die ganze Gesellschaft. Ein vermeintlicher Makel schafft Misstrauen, Ängste, Ausgrenzung. Deshalb schweigen viele Betroffene, verstecken ihr Leid, machen ihr Schicksal mit sich aus. Weil sie der Allgemeinheit nicht zutrauen, dass sie fair mit ihrem persönlichen Schicksal umgeht." Auch die Stuttgarter Nachrichten fordern einen offeneren Umgang mit Depressionen: „Allzu häufig und allzu schnell wird den Betroffenen der Stempel des Verrücktseins aufgedrückt. Die eigene Scham, die Angst vor dem gesellschaftlichen Stigma oder die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes verhindern die rasche Suche nach ärztlichem Rat und therapeutischer Hilfe. Angst und Schwäche sind nicht vorgesehen in einer profitorientierten Welt, die Leistung zum Fetisch erhebt – und das nicht nur im Sport."





















