Schulden-Wahnsinn
Mit Vollbremsung will die UEFA Geld-Exzesse eindämmen
London, 8. Februar (Frank Martin berichtet): Lange hat der Europäische Fußballverband (UEFA) zugesehen, wie Spitzenclubs in England, Italien oder Spanien sich bis über beide Ohren verschuldeten, um astronomische Ablösesummen und Profigehälter zu zahlen. Jetzt soll dem Wahnsinn endlich Einhalt geboten werden, bevor die Spekulationsblase des Fußballs platzt. Wer von der Spielzeit 2012/2013 an kein ausgeglichenes Budget aufweist, soll von der Teilnahme an den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen werden.
Bereits seit seinem Amtsantritt als UEFA-Präsident fordert der Franzose Michel Platini „finanzielles Fairplay“. Bisher ist es bei bloßer Rhetorik geblieben. Infolge der enormen Kluft zwischen reichen und armen Clubs ein und derselben Liga kann eine Wettbewerbsverzerrung nicht geleugnet werden. Zwar haben millionenschwere Aufkäufer namhafter Vereine viel Geld zum Beispiel in die Premier League gepumpt, aber die Schuldenlast – besonders die Zinsen für die Kredite zur Übernahme – droht sie nun zu erdrücken. Die außer Kontrolle geratenen Exzesse will der Verband endgültig durch einschneidende Bestimmungen eindämmen. Generalsekretär Gianni Infantino kündigte scharfe Auflagen zu einer ordentlichen Haushaltsführung der Vereine an. Sie sollen nicht mehr über ihre Verhältnisse agieren. Danach müssen die Profigehälter und Transfersummen aus den normalen Einnahmen bestritten werden und dürfen nicht von Finanzspritzen der Clubbesitzer abhängen oder gar durch Kreditaufnahme bei Banken finanziert werden.
Vermutlich im Sommer werden die UEFA-Vorschriften bekannt gegeben. Zwar können sich die Clubs weiter für langfristige Projekte wie Stadionumbau und Einrichtung einer Nachwuchsakademie verschulden, jedoch müssen die Zinsen durch Einnahmen, nicht Kredite gedeckt werden. Besonders in England werden die Konsequenzen nachhaltig sein. Denn nach dem Stande von 2007/2008 wiesen 14 der 20 Vereine in der Premier League Defizite auf, vor allem die auch auf Europa-Ebene führenden Clubs FC Chelsea, FC Liverpool und Manchester United.
„Was wir erreichen wollen, ist die langfristige finanzielle Stabilität des Vereinsfußballs in Europa, indem die Clubs ihre Ausgaben nach den Einkünften ausrichten“, sagte Infantino. „Wir haben mehr als 650 Vereine in ganz Europa überprüft. Mehr als die Hälfte davon macht jedes Jahr Verluste, bei jedem fünften Verein sind es beträchtliche Verluste.“ Die Hauptursachen seien überhöhte Ablösegelder und Spielerbezüge. Jeder dritte Club gebe bis zu 70 Prozent seiner Einnahmen für das kickende Personal aus.
Richard Scudamore, Boss der englischen Premier League, meldet Bedenken gegen die Pläne an. Er vertritt die Meinung, das Engagement ausländischer Geldgeber dürfe nicht beschränkt werden. „Wir wollen gesündere Verhältnisse“, hält Infantino entgegen, es sei keine Gleichmacherei beabsichtigt. Aber kleinere Clubs sollen die Chance haben, in ihre Infrastruktur zu investieren, ohne von den Krösussen an die Wand gedrückt zu werden.





















